Der Erbfall mit Immobilienbesitz in Spanien - Erste Maßnahmen
Ist in der Familie der Erbfall eingetreten und liegt ein Teil des Vermögens in Spanien (z.B. in Form einer Immobilie), so bringt dies einige Besonderheiten bei der Nachlassabwicklung mit sich. Zwar findet bei Erbschaften mit Immobilienbesitz in Spanien grundsätzlich deutsches Recht Anwendung, wenn der Erblasser die deutsche Nationalität besaß, doch sind für die Eintragung der Erben im spanischen Grundbuch die Formalitäten des spanischen Rechts einzuhalten. Zudem hat der Erbfall mit Vermögen in Spanien steuerliche Konsequenzen und es ist die sechsmonatige Frist zur Zahlung der Erbschaftssteuer in Spanien einzuhalten, da bei Nichteinhaltung der Frist neben der ohnehin hohen Erbschaftsbesteuerung noch empfindliche Strafzuschläge anfallen.
Dem Erben bzw. der Erbengemeinschaft bleibt also nicht viel Zeit, sich um das Vermögen in Spanien zu kümmern. Zudem sind die sich stellenden Fragen ohne die Hilfe eines spezialisierten Anwalts kaum zu klären sind und Dokumente zu besorgen, deren Erlangung mitunter Zeit beansprucht. Deshalb sollten Sie folgende Schritte möglichst frühzeitig veranlassen, um eine anschließende geordnete Nachlassabwicklung zu ermöglichen:
Bankkonten in Spanien:
Wenn Sie der Bankfiliale den Erbfall mitteilen, bei dem der Erblasser ein Konto führt, so ist diese verpflichtet, das Konto bezüglich der meisten Verfügungen zu sperren. Dies betrifft auch Abbuchungen, die dem Unterhalt der Immobilie dienen und deren Nichtzahlung zu weiteren Komplikationen führen könnte. Deshalb kann es aus praktischen Gesichtspunkten sinnvoll sein, mit dieser Mitteilung etwas zu warten und sicherzustellen, dass das Konto für die regelmäßigen Abbuchungen wie z.B. Wasser, Strom, Grundsteuer und gegebenenfalls Hypothekenraten über ein ausreichendes Guthaben verfügt.
Auf keinen Fall sollten Überweisungen oder Barabhebungen vorgenommen werden.
Spanische Steuernummer (NIE):
Alle Erben benötigen für die Einreichung der spanischen Erbschaftssteuererklärung eine spanische Steuernummer. Die Bearbeitungszeit an Abgabe bei der Behörde beträgt bis zu 4 Wochen. Deshalb wird empfohlen die NIE möglichst frühzeitig zu beantragen. um Versäumniszuschläge bei der spanischen Erbschaftssteuer zu vermeiden. Ein entsprechendes Formular finden Sie hier: Formular zur Beantragung einer spanischen Steuernummer (NIE)
Internationale Sterbeurkunde:
Für die Abwicklung der Erbschaft in Spanien wird eine internationale Sterbeurkunde benötigt. Sie enthält die gleichen Angaben wie eine normale Sterbeurkunde, ist jedoch mehrsprachig ausgestellt und wird in Spanien anerkannt.
Erbschein mit Haager Apostille:
Es ist ein Erbschein zu beantragen, welcher vom Gericht mit der Haager Apostille zu versehen ist, damit das Dokument in Spanien anerkannt wird.
Zusammenstellung von Dokumenten und Urkunden:
Stellen Sie sämtliche Unterlagen zusammen, die über das spanische Vermögen des Erblassers Aufschluss geben: Notarielle Kaufurkunde (Escritura Pública) bei Immobilien, letzter Grundsteuerbescheid der Gemeinde (IBI - Ayuntamiento), ggfs. Unterlagen zu Hypothekendarlehen, Unterlagen bzgl. in Spanien angemeldeter Fahrzeuge, Bankunterlagen, etc. Sollten Sie kurzfristig keine Unterlagen zusammenstellen können, bietet es sich an, eine Grundbuchrecherche durchführen zu lassen.
Haben Sie die oben genannten Punkte beachtet und die Formalitäten ohne Zeitverlust erledigt, gewinnen Sie anschließend Zeit, sich mit der Thematik der Abwicklung des Nachlasses zu beschäftigen und zudem bessere Chancen, die Frist zur Steuerzahlung einzuhalten und so Strafzuschläge auf die Erbschaftssteuer zu vermeiden.
Die Hinzuziehung eines spezialisierten Anwaltes ist aufgrund der komplexen Thematik zu empfehlen. Die Anwaltskanzlei ist spezialisiert auf Nachlassabwicklungen in ganz Spanien. Gerne fertigen wir Ihnen auch ein erstes Kurzgutachten an, das ihnen einen Überblick bzgl. der zu erwartenden Steuern schafft.
Informationsquelle: Volker Borges Rechtsanwalt & Abogado Inscrito www.mallorca-pro.com
FAQ zum Thema Erben & Erbschaftsteuer in Spanien
Folgend kommentieren wir Ihnen einige typische Fragen zu der Thematik der Erbschaftssteuer und Vermögensnachfolge von Immobilien in Spanien. Da die Thematik sehr komplex und einzelfallabhängig ist, empfehlen wir aus anwaltlicher Sicht, möglichst vor dem Immobilienerwerb In Spanien rechtlichen Rat einzuholen. Wenn Sie bereits eine Immobilie erworben haben und Sie wissen möchten, was denn Ihre Erben an Steuern erwarten wird, dann empfiehlt es sich, eine "Bestandsaufnahme" vornehmen zu lassen, die Ihnen die rechtlichen und steuerlichen Konsequenzen in Spanien zum jetzigen Zeitpunkt aufzeigt und eine Entscheidungsgrundlage für eventuelle weitere Schritte ist. Gerne können Sie sich mit uns in Verbindung setzen. Die Kanzlei steht Ihnen spanienweit zur Verfügung, egal ob Ihre Immobilie in Valencia, Katalonien oder Andalusien belegen ist.
Wir leben seit einigen Jahren fest in Spanien und haben dort auch eine Immobilie erworben. Gilt für uns nun das spanische oder das deutsche Erbrecht?
Entscheidend ist hier nicht die Frage des Wohnsitzes, sondern maßgeblich ist die Nationalität des Vererbenden.
Unsere Eltern besitzen eine Ferienwohnung auf Mallorca, haben ihren Lebensmittelpunkt aber wie wir in Deutschland. Wo ist im Erbfall die Erbschaftssteuer zu zahlen?
Auf das in Spanien belegene Vermögen ist grundsätzlich die spanische Erbschaftssteuer zu zahlen. Hat der Erbe seinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland, so ist grundsätzlich auch dort das spanische Vermögen zu versteuern. Um eine Doppelbesteuerung zu verhindern sieht das deutsche Erbschaftssteuergesetz die Möglichkeit der Anrechnung in Spanien bezahlter Steuern vor.
Ist die Erbschaftssteuer in Spanien höher als in Deutschland?
Die Steuersätze liegen in Spanien für nicht Residente zwischen 7,65 und 34%. Der Steuersatz ist abhängig von dem Wert der Erbmasse. Bei einem Wert von nur 100.000,-€ liegt der Steuersatz bereits bei 18,7%. Zudem sind die persönlichen Freibeträge mit ca. 16.000,- € sehr viel geringer als in Deutschland. Diese steuerlichen Belastungen können vermieden oder zumindest gesenkt werden, wenn bereits zu Lebzeiten entsprechende Schritte eingeleitet werden.
Oft liest man von einem Spitzensteuersatz von 81,60 % in Spanien. Ist das richtig?
Bei der Erbschaftsbesteuerung in Spanien liegen Steuersätze wie oben erwähnt zwischen 7,65 und 34%. Auf diesen Steuersatz wird ein Multiplikator zwischen 1,00 und 2,40 angewandt. Der Multiplikator ist abhängig vom Verwandtschaftsgrad des Erben zum Erblasser, sowie von seinem bestehenden Vorvermögen in Spanien. Bei Abkömmlingen, Adoptivkindern, Ehegatten, Vorfahren und Adoptiveltern liegt der Multiplikator abhängig vom Vorvermögen zwischen 1,0 und 1,2. Bei Nebenlinien des zweiten und dritten Grades liegt diese bereits zwischen 1,58 und 1,90. Auf Verwandte vierten Grades und insbesondere Nichtverwandte wird ein Multiplikator von 2,00 bis 2,40 angewandt. Somit liegt der Höchststeuersatz in Spanien tatsächlich bei 81,60%.
Wie wird im Erbfall der Wert einer Immobilie ermittelt?
In Spanien existiert das System der Selbstveranlagung. Das heißt, dass der Steuerzahler die Werte in seiner Steuererklärung selbst angibt. Das Finanzamt hat das Recht, diese Werte zu überprüfen. Ausschlaggebend ist laut spanischem Gesetz der „Valor Real“, der tatsächliche Wert. Irrtümlich wird immer wieder behauptet, auf den Katasterwert sei lediglich Multiplikator von z.B. 2,5 anzuwenden. Dieser Irrtum kann jedoch sehr teuer werden. Zudem werden die Katasterwerte seit einigen Jahren in vielen Gemeinden jährlich angepasst und werden sich zukünftig dem realen Wert annähern. Die Bewertung der Immobilie im Rahmen der Gestaltung der Vermögensnachfolge zu Lebzeiten oder bei der Abwicklung der Erbschaft ist also ein wichtiger Punkt. Dabei sind auch die Bewertungskriterien der Finanzämter und Erfahrungswerte aus der Praxis heranzuziehen.
Ich habe einen langjährigen Lebensgefährten in Spanien und möchte diesen erbrechtlich berücksichtigen. Was muss ich beachten?
Sie haben auf jeden Fall ein Testament zu erstellen, da der Lebensgefährte kein gesetzlicher Erbe ist. Vorsicht ist jedoch geboten in Hinblick auf die erbschaftssteuerlichen Aspekte. Als Nichtverwandter ist auf Ihren Lebensgefährten der Multiplikator von mindestens 2,00 anzuwenden. Hat das Vermögen z.B. Wert von 120.000,-€, so beträgt die Erbschaftssteuer bei ca. 15.600,-€ in der Steuerklasse I. Der Lebensgefährte hat jedoch noch den Koeffizienten 2,0 anzuwenden, müsste also ca. 31.200,-€ Erbschaftssteuern zahlen. In solchen Fällen ist es unbedingt ratsam, andere Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen.
Wann sollte ich in Spanien an eine erbrechtliche Regelung denken?
Oft handelt es sich bei Investitionen auf Mallorca oder in Spanien um Ferienimmobilen. Erbrechtliche und erbschaftssteuerliche Aspekte sollten dennoch vor jeder Spanieninvestition berücksichtigt werden. Dies ist immer die günstigste Variante. Aber auch bei bereits vorhandenem Immobilienbesitz bestehen zu Lebzeiten verschiedene Möglichkeiten, spätere Erbschaftssteuern zu minimieren.
Wann ist eine lebzeitige Vermögensübertragung einer erbrechtlichen Regelung vorzuziehen?
Bereits der Mindeststeuersatz liegt bei einer Erbschaft und Schenkung mit 7,65 % über der Grunderwerbssteuer, welche 7% beträgt. Und bereits ab einem Vermögen von 100.000,-€ liegt der Erbschaftsteuersatz bei 18,70%. Dies zeigt, dass z.B. die Veräußerung der Immobilie zu Lebzeiten in vielen Fällen günstiger sein kann, als der Erbfall. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch vielfältig und müssen im Einzelfall beurteilt werden. Auf jeden Fall bedarf jede Investition oder der Immobilienerwerb in Spanien einer individuellen steueroptimierten Gestaltung.
Wie kann ich mich bei der lebzeitigen Vermögensübertragung (Immobilie) absichern?
Damit Sie auch nach Übertragung des Eigentums Ihrer Immobilie an Ihre Kinder oder Ihren Lebensgefährten diese sorglos bewohnen können, ist es unter Umständen zu empfehlen, sich ein lebenslanges Nießbrauchrecht oder Wohnrecht einräumen zu lassen.
Informationsquelle: Volker Borges Rechtsanwalt & Abogado Inscrito www.mallorca-pro.com



